IM Österreich – 01.05.2017

Scroll to top

Top

Nordost-Nigeria: Hunger bedroht Binnenflüchtlinge

Die UNO spricht mittlerweile von der «grössten humanitäre Krise auf dem afrikanischen Kontinent». Das volle Ausmass der drohenden Hungersnot zeigt sich erst jetzt dort, wo die Extremistengruppe Boko Haram zurückgedrängt worden ist.

Die jahrelangen Herrschaft des Terrorregimes Boko Haram kostete 20'000 Menschen das Leben, 2,5 Millionen wurden vertrieben. Durch die Unruhen wurde die Region destabilisiert, so dass die Landwirtschaft und jegliche wirtschaftliche Aktivität zusammengebrochen ist. Die UNO geht davon aus, dass von den 14 Millionen Einwohnern dieser Gegend Nigerias - vorwiegend in den Staaten Borno, Adamawa und Yobe - die Hälfte akut vom Hunger bedroht sind. Zu jenen, die der Problematik die Stirn bieten, gehört der katholische Priester Maurice Kweirang, dessen St.-Theresa-Gemeinde rund tausend Menschen in einem Lager mit Essen versorgt.

Flüchtlinge abgeschoben

Gegenüber «Open Doors» hält der Pater fest, dass die Kirche die Hilfe nicht auf alle Binnenflüchtlinge, die ausserhalb des Lagers leben, ausdehnen kann. «Unsere Möglichkeiten sind begrenzt», berücksicht würden bei den Lebensmittelverteiligung im Lager Menschen ohne Rücksicht auf ihren religiösen Hintergrund. Er habe verschiedene humanitäre Organisationen alarmiert, da beispielsweise im Staat Adamawa Beamte die Binnenflüchtlinge zum Verlassen der Lager gezwungen hätten, ohne ihnen eine anderweitige Unterstützung anzubieten. Verschärft wird die Krise zudem durch Tausende nigerianischer Flüchtlinge, welche die kamerunische Regierung zurück in ihr Heimatland geschickt hat. Am 21. März hat auch das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge Kritik an Kameruns Beschluss geübt, die dortigen nigerianischen Flüchtlinge abzuschieben - trotz eines Abkommens, das lediglich eine Rückkehr auf freiwilliger Basis sicherstellen sollte.

Bis 70'000 Rückkehrer

Das UNHCR lobte zwar das Engagement der Regierung Kameruns - und der lokalen Dorfgemeinschaften, in denen über 85'000 nigerianische Flüchtlinge untergekommen waren - forderte den Staat jedoch auf, den Verpflichtungen der internationalen Flüchtlingskonvention sowie derjenigen, die sich aus dem Kameruner Recht ergeben, nachzukommen. Kamerun hingegen macht geltend, die Menschen würden freiwillig heimkehren. Laut Pater Kweirang haben bereits erste Rückführungen stattgefunden, er geht von über 10'000 Heimkehrern aus, die bereits abgeschoben wurden. «Es gibt noch weitere - über 60'000 -, die in Nordkamerun feststecken.»

Boko Haram weiterhin aktiv

Aus Gründen der Sicherheit können diese Flüchtlinge nicht in ihre Heimatdörfer zurückkehen. Die meisten von ihnen kommen aus Gwoza und Umgebung, wo Boko Haram weiterhin aktiv ist. Von ihren um die Mandara-Berge herum gelegenen Standorten aus führt die Terrorgruppe weiterhin Angriffe auf Dörfer durch - stiehlt Lebensmittel, brennt Gebäude nieder und entführt Mädchen und Frauen. Nach Kweirangs Aussage gibt es dort nur eine begrenzte Militärpräsenz. Ab und zu rücke die Truppe vor und ziehe sich dann nach Madagali oder Bama zurück. Ein Team des Priesters bewertet die Lage so: «Sowohl Erwachsene als auch Kinder zeigen starke Zeichen akuter Mangelernährung. Wir haben einige von ihnen zur ärztlichen Behandlung in unsere Kliniken gebracht, aber wir konnten sie dort nicht behalten. Sie leben bei Verwandten in Yola und in der Umgebung.»

Missmanagement und Sonderbotschafter

Oliver Dashe Doeme, Bischof von Maiduguri, der Hauptstadt von Bomo nennt zudem die Korruption als einen wesentlichen Teil des Problems. Es werde darauf bestanden, dass Hilfsgelder durch staatliche Ämter fliessen. Vieles würde dann in die Taschen von Einzelpersonen landen. «Die meisten unserer Politiker sind korrupt.» Derweil fordert der ehemalige Kongressabgeordnete Frank Wolf in Washington D.C. einen Sonderbotschafter für Nigeria und die Region Tschadsee, weil die Krise eine ernste Bedrohung der Sicherheit darstelle.