IM Österreich – 26.07.2017

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Kopftuchstreit in Österreich: Kritik am Bundespräsidenten

Vertreter der Österreichischen Evangelischen Allianz haben mit Kritik auf die Kopftuch-Aussage des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen reagiert. Der frühere Bundessprecher der linksgerichteten Grünen hatte bei einer Diskussion in der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien angeregt, alle Frauen zu bitten, ein Kopftuch zu tragen. Wörtlich sagte er in der teilweise vom Fernsehsender ORF übertragenen Veranstaltung: „Und wenn das so weitergeht, bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.“ Er zog ferner einen Vergleich mit der dänischen Bevölkerung während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg: „Wenn ich mich richtig erinnere, haben die Dänen während der deutschen Besatzung doch etwas Ähnliches gemacht: Und nichtjüdische Dänen haben angefangen, den Davidstern zu tragen.“

Allianz-Vorstandsmitglied: Wir sollten vor allem mit verfolgten Christen solidarisch sein

Ein Vorstandsmitglied der Österreichischen Evangelischen Allianz, Sven Kühne (Telfs bei Innsbruck), sagte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass die Aussage des Bundespräsidenten weder die christlichen Werte der österreichischen Gesellschaft transportiere noch dabei helfe, der Stigmatisierung von Kopftuch tragenden Frauen entgegenzuwirken: „Als christliches Abendland sollten wir in einem ersten Schritt unsere Solidarität den verfolgten Christen auf der ganzen Welt kundtun.“ Kühne ist Leiter der überkonfessionellen österreichischen Internet-Initiative „Glaubensimpulse“.

Stellvertretende Allianzvorsitzende: Auch antisemitische Vorfälle nehmen zu

Die Stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Evangelischen Allianz, Monika Faes (Schladming), hält einen sachlichen Zugang für wichtig, der Integration nicht nur einfordere, sondern politisch konkret umsetze und die Spaltung in weiten Bevölkerungsgruppen wahrnehme: „Wenn eine Diskussion entfacht und Solidarität eingefordert wird, dann unbedingt auf breiterer Basis.“ Als Beispiel nannte sie den österreichischen „Antisemitismusbericht 2016“, der einen Anstieg judenfeindlicher Vorfälle dokumentiere: „Auch hier besteht dringender und konkret umgesetzter Handlungsbedarf.“ Das Mitarbeiterteam des Bundespräsidenten teilte auf dessen Facebook-Seite mit, dass es Van der Bellen darum gegangen sei, der Stigmatisierung von Kopftuchträgerinnen entgegenzuwirken: „Immer wieder sind diese Frauen in Österreich öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt. Diesen inakzeptablen Umgang mit Frauen hat der Bundespräsident in zugespitzter Form kritisiert.“ Von den 8,5 Millionen Einwohnern Österreichs sind 5,2 Millionen römisch-katholisch. Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses hat 293.000 Mitglieder, die (reformierte) Evangelische Kirche Helvetischen Bekenntnisses 13.600 und die „Freikirchen in Österreich“ rund 19.000. Daneben gibt es fast 600.000 Muslime. Die Zahl der Konfessionslosen wird auf etwa zwei Millionen geschätzt.

Quelle: idea.de