IM Österreich – 26.07.2017

Scroll to top

Top

Jede Kirchengemeinde sollte Kindergottesdienst anbieten

Jede Kirchengemeinde sollte einen Kindergottesdienst anbieten. Diese Ansicht vertritt die Professorin für Religionspädagogik an der Universität Kassel, Petra Freudenberger-Lötz, in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die 50-Jährige ist Herausgeberin des „Jahrbuchs für Kindertheologie“. Ihr zufolge sollten Kirchengemeinden verstärkt Jugendliche an die Mitarbeit in Kindergottesdiensten heranführen. Sie würden die Lebenswelt von Kindern kennen, weil ihre eigene Kindheit noch nicht lange zurückliege. Zudem bekämen Jugendliche durch Wertschätzung und Beteiligung an der Arbeit das Gefühl, gebraucht zu werden. Laut EKD-Statistik nahmen 2015 am Zählsonntag Invokavit – dem ersten Sonntag in der Fastenzeit – rund 91.000 Mädchen und Jungen am Kindergottesdienst teil.

Glaube kommt im Alltag von Kindern und Jugendlichen kaum noch vor

Nach Worten von Freudenberger-Lötz kommt der christliche Glaube im Alltag von Kindern und Jugendlichen kaum noch vor: „Die Räume dafür werden immer geringer.“ Schon die heutige Elterngeneration habe nicht viel religiöse Erziehung erfahren, die sie weitergeben könne: „So schleicht sich der Glaube Stück für Stück weg.“ Zudem hätten Jugendliche eine Vielzahl von Angeboten, zwischen denen sie sich entscheiden müssten. Dazu komme die Leistungsorientierung an den Schulen, die wenig Freiraum lasse. Um den Glauben ihrer Kinder zu wecken, sollten Eltern mit ihnen gemeinsam in der Bibel lesen und darüber sprechen. Besonders wichtig sei, ihnen Geschichten aus dem Leben Jesu zu vermitteln: „Hier können wir am besten erkennen, wie Gott ist und sich das Reich Gottes entfaltet.“

Kindern schwierige Bibelgeschichten nicht vorenthalten

Zur Frage, ob man Kindern die Geschichte von der Kreuzigung Jesu zumuten könne, sagte Freudenberger-Lötz, die Hinrichtung sei eine grausame Tatsache, der man sich stellen müsse. Wenn man die Geschichte Kindern erzähle, komme es aber nicht darauf an, die Kreuzigung minutiös zu schildern. Zudem müsse man deutlich machen, dass der Tod Jesu nicht das Ende sei, sondern dass es mit seiner Auferstehung weitergehe: „Wenn Kinder erleben, dass wir aus dem Glauben daran unsere Kraft ziehen, können sie sich der Kreuzesbotschaft stellen.“ Auch die Erzählung von Kains Brudermord an Abel gehöre zur Bibel. Eltern sollten ihrem Nachwuchs diesen Teil der Lebensrealität nicht vorenthalten. Kinder, die keine Gelegenheit hatten, sich mit schwierigen Bibelgeschichten zu beschäftigen, Fragen zu stellen und Zweifel zu äußern, erleben laut Freudenberger-Lötz im Jugendalter häufig einen Bruch im Glauben.

Quelle: idea.de