IM Österreich – 25.06.2017

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In Gemeinden mehr über Scheidung reden?

Die Zahl der Scheidungen in Deutschland geht zwar seit 2012 zurück, ist aber immer noch auf hohem Niveau: 2015 wurden rund 400.000 Ehen geschlossen, über 163.000 gingen in die Brüche. Auch viele Christen sind betroffen. Aber Scheidung gilt in frommen Kreisen immer noch als Tabuthema. Sollte daher in Gemeinden offener darüber gesprochen werden? Dazu äußern sich zwei Experten in einem Pro und Kontra der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Pro: Nicht so tun, als sei die Scheidung das Schlimmste überhaupt

Der Journalist und Theologe Daniel Schneider (Löhne/Westfalen) plädiert dafür, das Thema „in einer wertschätzenden Art und Weise“ anzusprechen: „Wir sollten dabei nicht so tun, als seien Scheidungen das Schlimmste überhaupt.“ Man dürfe die Betroffenen nicht so behandeln, „als wäre mit der Scheidung auch die Trennung von Gott verbunden“. Auch Ehen, die unter Gottes Segen geschlossen werden, könnten scheitern. Es komme darauf an, Getrennten zu signalisieren: „Dein Wert als Mensch und vor Gott ist nach wie vor unschätzbar hoch.“ Die allermeisten Menschen starteten mit der festen Absicht in die Ehe, eine lebenslange Beziehung zu führen. Schmerzen und Selbstzweifel hätten die Betroffenen beim Nichterreichen dieses Zieles schon genug: „Es gilt, liebevoll und hoffnungsvoll mit Menschen umzugehen, die dieses Thema betrifft, und nicht über sie, sondern mit ihnen zu reden und die Privatsphäre zu achten.“

Kontra: Mehr für die Ehe kämpfen

Der Leiter der christlichen Ehe- und Familienarbeit Team.F, Siegbert Lehmpfuhl (Rangsdorf bei Berlin), ist dagegen der Ansicht, dass Gemeinden mehr für die Ehe kämpfen und nicht mehr über die Scheidung reden sollen: „Gute Ehen fallen nicht vom Himmel.“ Lehmpfuhl fragt: „Wo sind die Gemeinden, die ein gutes Konzept zur Ehevorbereitung haben?“ Eine Ehe brauche Aufmerksamkeit und Pflege, etwa das tägliche Gespräch und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Gemeinden sollten „Alpha-Ehekurse“ und „Team.F-Tagesseminare zur Ehe“ anbieten. Lehmpfuhl: „Ehepaare brauchen solche Zeiten des Innehaltens genauso dringend wie Fahrzeuge den TÜV.“ Und wenn die Ehe doch scheitert? Natürlich müsse man sich den Betroffenen zuwenden, sie trösten und nicht verurteilen, so Lehmpfuhl. Aber vorher müsse man alles daran setzen, dass es gar nicht zur Scheidung komme.

Quelle: idea.de