IM Österreich – 26.06.2017

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Presseschau: Die Suche nach Unsterblichkeit

Der Spiegel: Auferstehung im Computer „Der Spiegel“ (Hamburg) verspricht in seiner Titelgeschichte „Ewiges Leben. Demnächst für alle!“ Darin beschreibt er, wie Forscher versuchen, den Tod zu überwinden und Unsterblichkeit zu erlangen: „Zwei unterschiedliche Visionen halten die Hoffnung wach, dass die Unsterblichkeit auf Erden möglich sein könnte. Die eine wird besonders von Computervisionären propagiert. Sie finden sich mit der Vergänglichkeit des Körpers ab und setzen stattdessen darauf, das geistige Ich von seiner sterblichen Hülle zu befreien. Die Grundidee: Es gelte, den Inhalt des Gehirns auszulesen und im Computer hochzuladen. Das ‚Mind uploading‘ kommt dem Aufstieg der Seele in den digitalen Himmel gleich. Googles Cheffuturist Ray Kurzweil hat sogar ausgerechnet, wie lange es noch dauern wird, bis die Technik des Hirnhochladens ausgereift ist. Das Ergebnis gibt dem heute 69-Jährigen durchaus Hoffnung, selbst noch die Wiederauferstehung im Computer zu erleben. Seiner Hochrechnung zufolge müsste Kurzweil bis zum Jahr 2045 durchhalten; er wäre dann 97… Die zweite Variante angeblich wissenschaftlich begründeter Unsterblichkeit besteht in der Vorstellung, den Körper dauerhaft gegen den Verfall zu wappnen. Und weil der einfachste Weg, biologisches Gewebe zu konservieren, darin besteht, es einzufrieren, bieten die sogenannten Kryoniker ihrer Kundschaft an, sie unmittelbar nach dem Tod in flüssigem Stickstoff zu verwahren.“

Süddeutsche Zeitung: Herr, er stinkt schon

Die „Süddeutsche Zeitung“ (München) beschäftigt sich mit der Auferweckung des toten Lazarus: „Von allen furiosen Geschichten im Neuen Testament ist die Geschichte vom Lazarus aus Bethanien die furioseste: Jesus holt den toten Lazarus zurück ins Leben. Der ist schon seit vier Tagen tot, Jesus lässt den Stein vor der Grabhöhle wegwälzen. Die Schwester des Verstorbenen warnt: ‚Herr, er stinkt schon.‘ Der Evangelist Johannes schildert genau, wie Jesus ruft und befiehlt, und wie Lazarus dann aus der Höhle herauswankt, ‚gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen‘. Von der Auferstehung des Jesus Christus sagt die Bibel nichts so Genaues. Man erfährt, dass sie geschehen ist, aber nicht, wie. Die Geschichte vom Lazarus erzählt aber auch das Wie. Das Furiose daran sind nicht nur die anstößig-spektakulären Details. Das Furiose ist, dass nicht von der Auferweckung in ein jenseitiges Leben erzählt wird, sondern ins diesseitige. Hier wird einem, der tot und begraben ist, seine irdische Zukunft zurückgegeben. Ein zweites Leben wartet und ein zweiter Tod. Man kann dieses unglaubliche Lazarus-Ostern kaum glauben. Trotzdem ist die Geschichte jahrhundertelang erzählt worden, zig Millionen Mal, in allen Sprachen der Erde – als Beispiel für die Macht Gottes, als Ankündigung und Vorspiel der Auferweckung aller Menschen irgendwann, am jüngsten Tage. In zig Millionen Trauerfeiern sollte und soll diese Auslegung Trost sein, zig Millionen Mal war sie Anker für Hoffnung, Sehnsucht und unerschütterlichen oder verzweifelten Glauben daran, dass mit dem Tod vielleicht doch nicht alles aus ist. Glauben an ein neues Leben? Milliarden Menschen täten das gern, halten das aber für grandiosen Selbstbetrug – als Trost nicht tauglich, sondern nur als billige Vertröstung… Der Glaube, dereinst zum besseren Leben auferweckt zu werden, ist kaum mehr Trost für die, denen es dreckig geht. Alles Glück, auch alle Gerechtigkeit, die man zu erwarten hat, muss man sich im Diesseits erfüllen - oder gar nicht. Und so bleibt es für viele beim „gar nicht“. Die alte Vertröstung auf ein Jenseits ist diesseitigen Vertröstungen gewichen. Es bleibt die metaphysische Obdachlosigkeit; es bleibt aber auch die Sehnsucht, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Es bleibt, sich am Ende von seinen Lieben zu verabschieden mit der Hoffnung, sie wiederzusehen.“

Tagesspiegel: Verfolgte Christen werden im Stich gelassen

Der Tagesspiegel in Berlin macht auf die Verfolgung von Christen aufmerksam: „Das Christentum ist für viele nur noch eine Art Folklore, ein Brauchtum ohne tiefere Bedeutung. Ich finde allerdings, als Konfessionsloser, dass es eine der liebenswertesten Lehren der Geschichte ist – wenn sich nur immer alle Christen dran gehalten hätten! Eine der Grundtugenden dieser Religion heißt ‚Güte‘. Das Wort habe ich jahrelang nicht mehr gehört. Güte bedeutet: Freundlichkeit, Wohlwollen und Nachsicht. Wenn es Güte gäbe, wäre das ganze Trara um die politische Korrektheit überflüssig. Ein gütiger Mensch beleidigt nicht und behandelt alle mit Respekt. Umgekehrt wird ein gütiger Mensch, wenn er selbst beleidigt wird, nicht mit Wut und Rachefantasien reagieren, sondern mit Nachsicht. Güte ist besser als politische Korrektheit. Das Christentum, das den Hass verbietet, ist heute die am stärksten verfolgte Religion. Es ist unmöglich, die genaue Zahl der ermordeten Christen zu ermitteln. Der Vatikan spricht von jährlich 90.000, kirchenferne Menschenrechtsorganisationen von mindestens 7.000… Einig ist man sich darin, dass die Verfolgung stetig zunimmt und dass sie, bis auf Nordkorea, fast nur in islamischen Ländern stattfindet. 2015 wurden 2.400 Kirchen zerstört, so gut wie alle unter der Herrschaft des Islam. Immer wieder klagen Christen darüber, dass sie von ihren Mitchristen aus Europa im Stich gelassen werden.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Gott, verborgen unter seinem Gegenteil

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert Martin Luthers Kreuzestheologie: „Am Kreuz fällt Gott aus seiner gewohnten Rolle. Er ist dort nicht in seiner Vollmacht, sondern in Ohnmacht zu sehen. Der Reformator setzt deshalb auf das Prinzip radikaler Verunsicherung. Luther durchtrennt die Sicherheitsgurte der Gesellschaft. Gebräuchen, die bis dato eindeutig als gut kodiert waren, entzieht er den Boden. Fasten, Gelübde, Ablässe, nichts lässt er bestehen. Nichts davon soll Gewissheit vermitteln. Auch die Hoffnung, diese Welt gedanklich zu durchdringen und sie gar mit den Mitteln der Vernunft zu einer wohnlichen Heimat umzugestalten, erklärt der Reformator zur Illusion. Mit der Vernunft kann der Mensch sich vorübergehend kleine Inseln der Ordnung schaffen. Immerhin. Doch schwimmen diese Eilande nach Luther weiter in einem Ozean des Chaos, dessen Wellen sie jederzeit verschlingen können. Luther knipst auch die Fixsterne am Wertehimmel der Gesellschaft aus, so dass sie keine Orientierung geben. Moralische Normen haben für Luther vorrangig den Zweck, dass der Mensch ‚an sich selbst verzweifeln lernt‘. Und die guten Werke? Gerade die hält der Reformator für besonders gefährlich. Allzu oft seien gerade jene Werke, die am hellsten strahlen, nur ein Blendwerk, durch das der Mensch seine eigene Selbstbezogenheit zementiert und sich selbst über seine Mitmenschen erhebt… Auf die Spitze treibt Luther das Prinzip Verunsicherung auf dem Gebiet der Religion. Er baut gezielt dunkle Flecken ein, um auch die religiösen Spielarten des Hochmuts auszuschließen. Der Fromme soll sich nicht zu sicher sein: Der verborgene Gott könnte auch ihn verworfen haben und sich aus unerforschlichen Gründen für die lebenslustige Tante seines Nachbarn entschieden haben. Selbst Gläubige haben in Luthers Welt keinen Anspruch auf einen göttlichen Rechenschaftsbericht. Luthers Welt ist schrecklich gerecht: Ein jeder, ob Papst oder Paketbote, ist auf Gedeih und Verderb ausgeliefert… Zu den Eigenheiten Luthers gehört, dass die Unerbittlichkeit der Zärtlichkeit Raum schaffen soll. Wer Trost sucht, den fasst der Reformator in seinen Texten an der Hand und führt ihn an Weihnachten zur Krippe und an Karfreitag zum Kreuz: Luther zeigt das wimmernde Kind und den sterbenden Verfluchten. Gott, verborgen unter seinem Gegenteil. Für Luther ist dies das Grundmotiv des Christentums. Luthers Gott peitscht seine Allmacht nicht mit dem Streitwagen in die Welt hinein, um Gehorsam zu erzwingen. Sondern er möchte, dass die Menschen zu seinen Mitarbeitern werden und ihn in ihren Mitmenschen erkennen. Die Kraft Gottes erweist sich deshalb nicht in den gängigen Kategorien von Macht, Stärke und Glanz. Sie zeigt sich darin, dass er sich den Verhältnissen dieser Welt bis in die letzte Konsequenz aussetzt. Gott setzt damit nach Luther einen ‚fröhlichen Wechsel‘ in Gang, bei dem er Sünde und Tod auf sich nimmt, um den Menschen Vergebung und neues Leben zu geben.“

Welt am Sonntag: Wie aus dem Kirchen-Revolutionär eine Kommerzikone wurde

Die „Welt am Sonntag“ (Berlin) beschäftigt sich mit dem 500. Reformationsjubiläum und stellt fest: „Wo Luther draufsteht, ist großer Umsatz drin“: „Es ist jedenfalls eine Pointe dieses Lutherjahres, dass ein frommer Mönch, der einst in heiligem Zorn über den Ablasshandel und die Gewinnsucht der katholischen Kirche eine Weltrevolution in Gang setzte, sich ein halbes Jahrtausend später als Tourismus-Botschafter und Kommerz-Ikone für alles und jedes wiederfindet. Luther hat allerdings im Vergleich zu lebenden Prominenten aus Politik, Kunst und Sport einige Vorteile, die ihn zu einer verkaufsfördernden Identifikationsfigur gemacht haben. Seit 500 Jahren haben sich Legenden gebildet, sein Ruf steht fest, der Heldenstatus ist zementiert. Bei lebenden Helden dagegen bleibt immer ein Risiko, selbst bei solchen, die 50 Jahre lang als Lichtgestalt firmiert haben. ‚Ein tiefer Fall wie bei Beckenbauer kann Luther nicht mehr passieren‘, sagt der Münsteraner Wirtschaftspsychologe Alfred Gebert. ‚Dann müsste schon herauskommen, dass Luther selbst Ablassgelder kassiert hat.“ Auch Franz Beckenbauer firmierte jahrzehntelang als Lichtgestalt, bis sein scheinbar unzerstörbares Image zuletzt doch arg ramponierte wurde. Der Fußball-Kaiser wurschtelt sich seit einiger Zeit durch einen Wust von Vorwürfen wegen Korruption, Untreue und Geldwäsche. Und, auch das ist nicht ganz unwichtig: Luther ist als Werbeträger billig zu haben. Weder er selbst noch irgendwelche Erben verlangen Honorare, wenn eine Firma die absatzfördernden Eigenschaften seiner Persönlichkeit nutzen.

Neue Zürcher Zeitung: Das Dogma der religiös Unmusikalischen

Die Neue Zürcher Zeitung unterscheidet zwei Gruppen: „Gläubige“ und „religiös Unmusikalische“: „Letztere gliedern sich in einige militante Atheisten und großmehrheitlich in reflektierte oder praktische Agnostiker. Sie alle pflegen ihr Sinnbedürfnis zu befriedigen durch den Einsatz für Gerechtigkeit, für mehr Humanismus, freie Wirtschaft oder die Bewahrung der Natur. Oder sie verschreiben sich Idealen wie der Politik, dem Sport und der Kunst. Auch Gläubige folgen solchen Sinngebungen. Allerdings sind sie dabei vom Bewusstsein getragen, dass solche Ziele nur vorläufige Bedeutung haben angesichts einer über diese Welt hinausgehenden Bestimmung. Diese Haltung verstehen sie als Religion, also als Rückbindung an etwas, das grösser ist als der Mensch und ihm vorausgeht. Die beiden großen christlichen Feste Weihnachten und Ostern verdeutlichen dies. Wenn an Weihnachten gemäß der Diktion des Evangelisten Johannes das ‚Wort‘ (griechisch ‚logos‘) ‚Fleisch‘, also Mensch, wird, dann darf man ganz im Sinne der Faustschen Übersetzungskünste sagen, ‚logos‘ bedeute nicht nur Vernunft, Kraft oder Tat, sondern auch Sinn: Der Sinn, den der Mensch nicht herzustellen vermag, ist in Jesus Christus Mensch geworden, um sich dem Menschen zu vermitteln. Ostern bedeutet die Fortdauer dieses Sinns über den Tod hinaus. Dieses Fest spricht nicht nur vom auferstandenen Christus, sondern davon, dass der Mensch selber nun eine neue Schöpfung ist, die nicht mehr vergänglich ist und die nun für immer zurückgebunden bleibt an den, welcher der Sinn ist. ‚Dogmatismus!‘ wird derjenige sagen, der das Volumen christlicher Sinnansprüche auf diesseitige Sinngebungen reduziert hat. ‚Irrtum!‘, würde der englische Autor Gilbert K. Chesterton entgegnen, der eine andere Unterscheidung offeriert: ‚Es gibt in Wahrheit nur zwei Arten von Menschen: solche, die Dogmen anerkennen und sich dessen bewusst sind, und solche, die Dogmen anerkennen und sich dessen nicht bewusst sind.‘“

„Bild am Sonntag“: „Wir brauchen Bräuche!“

Die „Bild am Sonntag“ (Berlin) mahnt: „Wir brauchen Bräuche!“: „Ostern! Das klingt nach Leben, Aufbruch, Hoffnung. Dass viele den Ursprung nicht mehr kennen, liegt am miesen Marketing der Kirchen... Wir brauchen Bräuche, die unserem Leben in einer globalisierten Welt Halt und Heimat geben. Schlimm, wenn wir uns das aus falscher Toleranz nehmen lassen. Weihnachts- wird Wintermarkt, St. Martin zum Lichterfest, Jahresendflügelfigur statt Weihnachtsengel hatten wir ja auch schon mal. Und jetzt kommt die Schoko-Firma Cadbury und streicht das Wort Ostern aus dem Programm: Cadbury Eggs statt Ostereier sollen heute gesucht werden. Liebe Leute, ihr macht euch lächerlich. Finger weg von guten Traditionen, die Freude machen und niemanden bedrohen! Frohe Ostern!“

Quelle: idea.de